Telekom: Beim Abschied vom Kupfernetz droht der "Zwangsanbieterwechsel"

Rosa Wölkchen am Telekom-Himmel: Die Netze wachsen und werden leistungsfÀhiger. Wenn da nicht die streitbaren Wettbewerber mit ihrer Lust an Debatten wÀren.

In Pocket speichern vorlesen Druckansicht 338 Kommentare lesen

Telekom-Technikchef Abdu Mudesir freut sich nicht nur ĂŒber einen Award fĂŒr das beste Mobilfunknetz, auch der Ausbau geht voran.

(Bild: heise online/vbr)

Lesezeit: 3 Min.

Die Telekom sieht sich beim Netzausbau auf Kurs. "Ich freue mich, dass wir jetzt 10 Millionen an der Glasfaser haben", sagte Deutschlandchef Srini Gopalan zum Auftakt des Netzetags der Deutschen Telekom am Mittwoch in Berlin. Das Unternehmen spricht dabei von Haushalten, die mit Glasfaser grundsÀtzlich versorgt werden können, aber noch nicht direkt angeschlossen sind ("Homes Passed"). Davon sind 1,3 Millionen aktiv angeschlossen.

"2024 haben wir etwa ein Drittel aller Glasfaser alleine ausgebaut", betonte Gopalan. Der Manager rechnet damit, dass das Unternehmen die Ausbaurate von derzeit rund 2,5 Millionen Haushalten pro Jahr weiter halten kann. "Wir mĂŒssen noch etwa 60 Prozent des Landes ausbauen."

Im Hinblick auf das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 flĂ€chendeckend Glasfaser zu haben, scheint das eine ordentliche Schlagzahl zu sein. Rund 4 Millionen AnschlĂŒsse jĂ€hrlich mĂŒssten dafĂŒr gebaut werden. Das Ziel ist realistisch, doch andere in der Branche warnen vor einer Verlangsamung des Ausbaus.

Netzetag bei der Telekom: Abdu Mudesir, Srini Gopalan, Technologie-Vorstand Claudia Nemat und Kommunikationschef Philipp Schindera (v.l.n.r.).

Gopalan betonte in diesem Zusammenhang, dass die Genehmigungsverfahren fĂŒr den Ausbau immer noch zu lange dauern – das betrifft vor allem auch moderne Verlegungstechniken, fĂŒr die nicht so tief gegraben werden muss. "Wir brauchen immer noch fĂŒnf oder sechs Genehmigungen, um in einer Straße auszubauen", sagte Gopalan. "Wir sehen eine Entwicklung zu mehr Genehmigungen bei Mindertiefe, es ist aber noch nicht genug."

Die Diskussionen ĂŒber Doppelausbau und das Ende des Kupfernetzes hĂ€lt der Telekom-Manager fĂŒr eine Ablenkung von der anstehenden Aufgabe. "Leider sehen wir diese ĂŒberflĂŒssigen Debatten", meint Gopalan. "Wir verschwenden so viel Zeit mit der Debatte ĂŒber Doppelausbau." Den Netzetag nahm der Telekom-Deutschlandchef dann aber auch zum Anlass, diese Debatten noch ein bisschen anzuheizen.

Im Hinblick auf die von Wettbewerbern dringend eingeforderten Regeln zur zeitlich absehbaren Migration von Kupferanschlussnetzen auf Glas spricht der Telekom-Manager von einem "Zwangsanbieterwechsel". Davon ist bei den Wettbewerbern allerdings nicht die Rede: Sie wĂŒnschen sich klare Rahmenbedingungen fĂŒr einen Übergang von Kupfer zu Glas.

Auch im Mobilfunknetz kommt die Telekom voran. "Wir haben unser Versprechen gehalten und jetzt zu 98 Prozent 5G ausgebaut", sagte Telekom-Technikchef Abdu Mudesir. Jetzt will die Telekom die KapazitĂ€ten an den Antennenstandorten vergrĂ¶ĂŸern. "Wir verdoppeln unsere KapazitĂ€t und bringen 1 Gbit/s an jeden Standort."

Derzeit seien etwa ein Drittel der Antennenstandorte schon so weit. Innerhalb von etwa vier Jahren soll dann an allen Standorten die verfĂŒgbare Bandbreite erhöht werden – das ist auch eine Zukunftswette auf verfĂŒgbares Spektrum. "Parallel bauen wir auch die Glasfaseranbindung der Antennen auf 10 Gbit/s aus", erklĂ€rte Mudesir.

Fortschritte vermeldet die Telekom auch entlang der Bahntrassen und Autobahnen. "Wir haben schon 1900 Standorte entlang der Bahn modernisiert und 470 neue Standorte gebaut", sagte Mudesir. Dabei sei es nicht immer ganz einfach, Standorte zu finden und die Stromversorgung sicherzustellen. "Große Herausforderungen sehen wir noch in den Tunneln."

Entlang der Autobahnen sind zwei neue Standorte fertig, 20 weitere sind im Bau. Zugleich hat die Telekom-Infrastrukturtochter Deutsche Funkturm AntrĂ€ge fĂŒr 250 Neubauten entlang der Autobahnen beantragt.

(vbr)